Methoden der Empfängnisverhütung
Kennen Sie Ihre Möglichkeiten!
Ihnen und Ihrem Partner steht eine große Auswahl an Verhütungsmethoden zur Verfügung. Ehe Sie darüber entscheiden, welche von diesen für Sie die an besten geeignete ist, sollten Sie sich über die vielen Möglichkeiten zur Vermeidung einer ungewollten Schwangerschaft informieren. Reden Sie unbedingt mit Ihrem Arzt über Ihre Optionen.
Bevor Sie sich für eine Methode zur Geburtenplanung entscheiden, sollten Sie Folgendes in Ihre Überlegungen einbeziehen:
- Ihren allgemeinen Gesundheitszustand
- Wie häufig Sie Geschlechtsverkehr haben
- Wie viele Geschlechtspartner Sie haben
- Ob Sie eines Tages Kinder möchten
- Ob Sie bereits Kinder haben und ob Sie in der Zukunft weitere Kinder bekommen möchten
- Wie verlässlich die verschiedenen Methoden zur Schwangerschaftsverhütung sind
- Mögliche Nebenwirkungen
- Wie sich die jeweilige Methode auf Ihr Wohlbefinden auswirkt
Bedenken Sie: auch die verlässlichste Verhütungsmethode kann versagen. Aber die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, ist geringer, wenn Sie die Methode Ihrer Wahl immer korrekt anwenden.
Arten der reversiblen Empfängnisverhütung
- Natürliche Methoden
- Barrieremethoden
- Intrauterine Methoden
- Hormonelle Methoden
Natürliche Methoden
Zur den natürlichen Mitteln der Empfängnisverhütung zählt auch, keinen Sex zu haben (Abstinenz).
Verschiedene Methoden beruhen auf der Beobachtung der Körperfunktionen, also beispielsweise der Rhythmik des Menstruationszyklus, der morgendlichen Körpertemperatur, der Sekretion des Zervixschleimes und des Vorhandenseins bestimmter Hormone im Urin. Diese Verfahren können auch kombiniert werden. Auf diese Art wird versucht zu ermitteln, an welchen Tagen eines Monats es wahrscheinlich ist, dass eine Frau schwanger wird. Sie kann also an den Tagen ihrer größten Fruchtbarkeit den Geschlechtsverkehr vermeiden.
Bei der „Rückzugsmethode” (oder „Coitus Interruptus”) geht es darum, dass der Mann sich vor seinem Orgasmus „zurückzieht” (d.h. den Penis herauszieht), damit sein Sperma nicht in die Vagina gelangt und schließlich die Eizelle erreicht. Allerdings kann bei dieser Methode bereits vor dem Rückzug des Mannes Sperma freigesetzt werden.
Der Pearl-Index ist ein typisches Mass zur Beschreibung der Wirksamkeit von Methoden zur Geburtenkontrolle. Er gibt Ihnen eine Einschätzung, wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang verhüteten, ungewollt schwanger wurden. Wenn Sie zwei Verhütungsmethoden miteinander vergleichen, steht ein niedrigerer Pearl-Index für eine geringere Wahrscheinlichkeit mit der Anwendung der betreffenden Methode schwanger zu werden. So zeigt der Pearl-Index beispielsweise auch, dass die „natürlichen” Methoden weniger zuverlässig sind als andere Formen der Verhütung, und häufiger zu ungewollten Schwangerschaften führen.
Barrieremethoden
Barrieremethoden zur Schwangerschaftsvermeidung machen es den Spermien sehr viel schwerer, den Gebärmutterhals zu durchqueren und in den Uterus einzudringen, um die Eizelle befruchten zu können. Hier kommen Hilfsmittel wie Kondome für den Mann und für die Frau, Diaphragmen, Portiokappen sowie Spermizidschaum, -gel und -filmbildende Sprays/Cremes zum Einsatz. Das Kondom ist die einzige Methode zur Verhütung, die auch Schutz vor den meisten sexuell übertragbaren Erkrankungen bietet. Diaphragmen und Portiokappen werden vor dem Verkehr in die Vagina eingeführt und decken dann den Muttermund ab.
Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme werden spermizide Zäpfchen, Cremes oder Verhütungschwämme angewendet, die die Spermien abtöten oder eine Schaumbarriere errichten, die die Spermien nur schwer durchdringen können.
Intrauterine Methoden
Das Intrauterinpessar (engl.: intra uterine device, IUD) stellt eine reversible langfristige, Verhütungsoption dar, da es für mehrere Jahre liegen bleibt, aber auch jederzeit wieder entfernt werden kann, wenn es nicht länger erwünscht ist. Dieses Mittel wird häufig verwendet, wenn Frauen bereits Kinder haben und weitere Schwangerschaften verzögern oder verhindern möchten. Ein IUD, auch bekannt als die „Spirale”, ist eine kleine, T-förmige Plastikvorrichtung, die mit einem Kupferdraht ausgestattet ist und vom Gynäkologen in die Gebärmutter eingesetzt wird, wo sie bis zu 5 Jahre verbleiben kann. Es gibt auch IUDs mit einem Hormondepot, das seinen Wirkstoff allmählich in die Gebärmutter abgibt. Letztere werden als Intrauterin-Systeme bezeichnet (engl.: intrauterine system, IUS).
Hormonelle Verhütung
Es gibt auch eine große Auswahl an hormonellen Kontrazeptiva. Bei richtiger Anwendung werden sie als die zweitsicherste Methode zur Schwangerschaftsvermeidung angesehen. Verlässlicher ist diesbezüglich nur die Sterilisation des Mannes oder der Frau. Im Gegensatz zu den Barrieremethoden kommen sie nicht unmittelbar vor oder während des Geschlechtsverkehrs zum Einsatz, was von vielen Frauen als Vorteil empfunden wird.
Die Pille ist wohl das bekannteste hormonelle Verhütungsmittel der Welt. Allerdings gibt es auch andere Kontrazeptiva, die Hormone in unterschiedlicher Dosierung enthalten oder freisetzen. Zu diesen gehören Hautpflaster, Vaginalring, IUS (Intrauterin-System), subkutanes Langzeitimplantat und Injektionen.
Um nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft zu vermeiden oder wenn eine andere Methode der Empfängnisverhütung versagt hat (beispielsweise, weil ein Kondom gerissen ist), gibt es auch noch die „Pille danach”. Sie muss so früh wie möglich nach dem „Ereignis” und innerhalb eines streng begrenzten Zeitraumes eingenommen werden und ist effektiver, wenn bis zur nächsten Menstruation kein ungeschützter Geschlechtsverkehr mehr stattfindet. Diese Methode zur Empfängnisverhütung sollte nur in Ausnahmefällen angewendet werden.
In den meisten Ländern sind hormonelle Kontrazeptiva nur auf ärztliches Rezept erhältlich.
Die Verhütungspille
Weltweit setzen mehr als 60 Millionen Frauen die Pille zur Empfängnisverhütung ein. Bei richtiger Einnahme ist sie eines der effektivsten Kontrazeptiva und bietet verlässlichen Schutz vor ungewollten Schwangerschaften. Allerdings ist die Pille, wie auch andere Verhütungsmittel, ein Arzneimittel und nicht völlig frei von Nebenwirkungen. Sie ist somit nicht für alle Frauen geeignet.
Verschiedene Arten von Verhütungspillen
Es gibt verschiedene Sorten von Pillen zur Geburtenkontrolle. Die meisten gehören zu den „Kombinationspillen” und enthalten synthetisch hergestellte Varianten der beiden wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone Estradiol und Progesteron. Bei täglicher Einnahme können die Hormone in der Kombinationspille den Menstruationszyklus der Frau besonders auf folgende Art und Weise beeinflussen:
- Sie hemmen die Freisetzung der Eizelle im Eierstock.
- Sie verursachen Veränderungen des Zervikalschleimes, so dass eine Barriere entsteht, durch die die Spermien gar nicht erst in die Gebärmutter eindringen können.
- Sie verursachen Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut. So wird für den unwahrscheinlichen Fall, dass dennoch eine Eizelle freigesetzt und befruchtet wurde, deren Einnistung verhindert.
Vorteile und Risiken der Kombinationspille
Kombinationspillen zur Geburtenkontrolle verhindern mit bis zu 99%-iger Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft, wenn sie nach Anweisung eingenommen werden.
Darüber hinaus können Verhütungspillen:
- zu kürzeren, leichteren Perioden verhelfen
- den Zyklus regulieren
- Krämpfe verringern
Sie können auch das Risiko verringern von:
- Schwangerschaften, die außerhalb der Gebärmutter entstehen (z.B. Eileiterschwangerschaften)
- Gutartige Zysten oder Knoten der Brust
- Gebärmutterschleimhautkrebs
- Eierstockkrebs
Die meisten Frauen, die die heute erhältlichen Kombinationspillen einnehmen, klagen über keinerlei Probleme. Allerdings kann die Einnahme in einigen Fällen auch zu Nebenwirkungen führen. Häufige unerwünschte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schmierblutungen, Gewichtszunahme und Brustspannen können bei mehr als einer von 100, jedoch bei weniger als einer von 10 Frauen auftreten. In seltenen Fällen, das heißt statistisch gesehen bei mehr als einer von 10.000 aber bei weniger als einer von 1.000 Frauen, kann es zu einem schwerwiegenden Ereignis wie dem Verschluss eines Blutgefäßes durch ein andernorts im Körper gebildetes Gerinnsel (venöse Thrombose/Thromboembolie) kommen.
Diese möglichen Nebenwirkungen sind seit langem bekannt, und viele davon konnten im Laufe der Jahre reduziert werden, indem die Dosierung des Östrogen-Anteils der Pille verringert wurde. Blutgerinnsel sind gefährliche Ereignisse. Sie entstehen meistens in den unteren Gliedmaßen, können aber in seltenen Fällen auch zu einer Lungenembolie führen - einer potenziell lebensgefährlichen Situation, bei der der Blutpfropfen vom Bein in ein Blutgefäß der Lunge wandert und dieses verstopfen kann. Ein solches Ereignis kann durch jedes östrogen-/gestagenhaltige Verhütungsmittel ausgelöst werden, einschließlich der Pille, des Vaginalringes, des Pflasters und einiger Injektionen. Das Risiko eine Blutgerinnselbildung oder Lungenembolie zu erleiden ist bei Frauen, die die Pille einnehmen, höher als bei denjenigen, die sie nicht einnehmen. Es ist allerdings immer noch weit geringer als das Risiko, im Laufe einer Schwangerschaft oder der anschließenden Geburt ein Blutgerinnsel zu entwickeln.
Jüngere Studien zeigen ein relativ geringes statistisches Risiko:
- Von 10.000 Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Kombinationspille zur Empfängnisverhütung einnehmen, erleiden pro Jahr zwischen 3 und 4,5 eine venöse Thrombose/Thromboembolie [1]
- Von 10.000 Frauen, die die Kombinationspille zur Empfängnisverhütung einnehmen, erleiden pro Jahr zwischen 8 und 10 eine venöse Thrombose/Thromboembolie [1]
- Bei Frauen in der Schwangerschaft und in den Wochen nach der Geburt ist das Risiko allerdings höher. Von 10.000 Frauen dieser Gruppe erleiden pro Jahr zwischen 20 und 30 eine venöse Thrombose/Thromboembolie [2]
Gerinnsel können sich in venösen und in arteriellen Blutgefäßen bilden. Arterielle Thrombosen sind eine sehr seltene, jedoch auch sehr ernste Nebenwirkung von Verhütungsmitteln auf Östrogen-Gestagen-Basis (Pille, Vaginalring oder Hormonpflaster) und können zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen. Im Allgemeinen tritt ein solches Ereignis bei jungen Frauen sehr selten auf und betrifft pro Jahr von 10.000 bis 100.000 Frauen nur eine oder zwei. Das Risiko eines Herzinfarktes während der Einnahme von Kombinationspillen ist ungefähr doppelt so hoch wie bei Frauen, die keine hormonellen Verhütungsmittel einnehmen [3,4]. Das Risiko eines Schlaganfalls ist bei Frauen, die rauchen oder an Bluthochdruck leiden, deutlich erhöht. Es ist jedoch nicht bekannt, ob das Schlaganfallsrisiko bei Nichtraucherinnen oder Frauen mit normalem Blutdruck erhöht ist [5]. Die meisten Studien zu niedrigdosierten Kombinationspillen ergaben kein erhöhtes Schlaganfallsrisiko.
Reden Sie mit Ihrem Arzt
Das individuelle Thromboserisiko einer Frau kann durch persönliche Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören eine genetische (ererbte) Thromboseneigung, Übergewicht und höheres Alter. Wenn bei Ihnen einer dieser Risikofaktoren vorliegt, sprechen Sie Ihren Arzt vor der Verschreibung eines Verhütungsmittels darauf an. Reden Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie sich für eine der Verhütungsmethoden entscheiden.
[1] Dinger et al., in: Contraception, 2007; 75: 344-354
[2] Heit, in: Annals of Internal Medicine, 2005; 143: 749-750
[3] Tanis et al, in: N Engl J Med. 2002; 346:1826-1829
[4] Khader et al., in: Contraception, 2003; 68(1): 11-17
[5] Chan et al. in: Arch Intern Med, 2004 ;164: 741-747


