Die Kombinationspille - wie wirkt sie?
Um zu verstehen, wie die Kombinationspille (durch ihre Hormone Östrogen und Gestagen) den weiblichen Zyklus beeinflusst, muss man sich zunächst anschauen wie der natürliche Menstruationszyklus funktioniert.
Ihr monatlicher Menstruationszyklus
Die Dauer des Menstruationszyklus schwankt üblicherweise zwischen 25 und 35 Tagen. Im Durchschnitt beträgt der Zeitraum vom Beginn des weiblichen Zyklus (dem ersten Tag der Blutung) bis zum Tag vor dem Beginn der nächsten Periode 28 Tage. Er kann generell in zwei Phasen eingeteilt werden: den Zeitraum vor dem Eisprung (das Freisetzen einer Eizelle durch den Eierstock) und den Zeitraum danach.
Hauptsächlich wird der Menstruationszyklus von zwei kleinen Regionen im Gehirn, dem Hypothalamus und der Hypophyse, gesteuert. Diese beeinflussen wiederum die dritte wichtige Region, nämlich die Eierstöcke. Die körpereigenen Hormone und Botenstoffe regulieren den gesamten Zyklus und bewirken Folgendes:
Phase 1, Tag 1-14: Jeder monatliche Zyklus beginnt mit der Menstruationsblutung (auch 'Periode' oder 'Menses' genannt). Im Durchschnitt erstreckt sich die Menstruationsblutung einer Frau über einen Zeitraum von 3 bis 7 Tagen. Gegen Ende der monatlichen Blutungen bewirken Hormone, dass in den Eierstöcken mehrere Eizellen heranreifen. Für gewöhnlich reift nur eine dieser Eizellen vollständig aus.
Phase 2, Tag 14-28: Während des Eisprungs, zumeist am Tag 14, platzt die Schutzschicht (Follikel), die die Eizelle bis dahin umgeben hat, und sie wird aus dem Eierstock freigesetzt. Die Eizelle wandert langsam den Eileiter entlang in die Gebärmutter. Die Eizelle ist nur wenige Stunden befruchtungsfähig. Sperma dagegen kann bis zu 5 Tage lang im Körper einer Frau überleben. Unter dem Einfluss der weiblichen Hormone hat sich die Gebärmutterschleimhaut verdickt und ist bereit, eine befruchtete Eizelle aufzunehmen. Ungeschützter Geschlechtsverkehr in diesem Zeitraum kann zur Befruchtung der Eizelle und zu einer Schwangerschaft führen. Wenn das Ei nicht befruchtet wird, wird die verdickte Schleimhaut während der Monatsblutung abgestoßen. Der Beginn der Blutungen markiert das Ende von Phase 2, und Phase 1 beginnt von neuem.
Der natürliche Effekt der Hormone
Der Hypothalamus und die Hypophyse produzieren die Hormone, die für die Regulierung des Menstruationszyklus zuständig sind. Sie stellen sicher, dass die Eierstöcke in der ersten Phase des Zyklus Östrogen herstellen. In jedem Monat können unter dem Einfluss des Östrogens mehrere Eier heranreifen, obwohl für gewöhnlich nur eine dieser Eizellen vollständig ausreift. Östrogen bewirkt auch die Verdickung der Gebärmutterschleimhaut, damit sich ein Ei im Falle seiner Befruchtung dort einnisten kann.
Wenn der Eierstock ein ausgereiftes Ei freisetzt, platzt die es umgebende Schutzhülle (Follikel). Der zurückbleibende, nun leere Follikel wird zum Corpus Luteum (auch genannt „Gelbkörper”). Nach 3 bis 4 Tagen beginnt der Gelbkörper das zweite wichtige Geschlechtshormon Progesteron (manchmal auch als das „Schwangerschaftshormon“ bezeichnet) herzustellen.
Wenn das Ei nicht befruchtet wird, schrumpft der Gelbkörper und stellt die Hormonproduktion ein. Dadurch sinkt die Konzentration der Hormone im Blut. Als Folge davon wird die Gebärmutterschleimhaut mit der Menstruationsblutung abgestoßen und ein neuer Zyklus beginnt.
Hormonelle Wirkungen der Kombinationspille
Die bekannteste Art der Pille enthält eine Kombination von synthetisch hergestelltem Östrogen und Gestagenen („Kombinationspille”). Obwohl sich die verschiedenen Arten von Kombinationspillen nach Dosierung und Zusammensetzung unterscheiden, sind ihre Wirkungsweisen ähnlich.
Die Hormone in der Kombinationspille beeinflussen Ihren Zyklus auf unterschiedliche Weise. Die Hormone in der Kombinationspille verleiten den Hypothalamus zu der falschen „Annahme“, dass eine Schwangerschaft vorliegt, daher fährt er seine eigene Hormonproduktion zurück. Die Reifung von Eizellen wird verhindert und die Östrogenproduktion in den Eierstöcken stark reduziert. Am wichtigsten jedoch: Ein Eisprung findet nicht statt. Außerdem wird durch die Gestagene eine Eindickung des Zervixschleimes verursacht, so dass eine natürliche Barriere gegen Sperma entsteht. Mit der Kombinationspille treten die Menstruationszyklen mit größerer Regelmäßigkeit auf, da Wachstum und Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut durch die Hormone aus der Pille zeitlich vorgegeben und nicht mehr an einen Ovulationszyklus gebunden sind, der unterschiedlich lange andauern kann.
Zuverlässigkeit
Mit dem Pearl-Index ermittelt man die Zahl der Schwangerschaften, die unter 100 sexuell aktiven Frauen, die eine bestimmte Methode der Schwangerschaftsverhütung („Kontrazeption“ oder „Geburtenkontrolle“) anwenden, innerhalb eines Jahres auftreten. Ohne Verhütung liegt der Pearl-Index-Wert etwa bei 80, das heißt von 100 Frauen werden 80 schwanger. Wenn ein Kondom verwendet wird, liegt dieser Wert zwischen 2 und 12. Mit der Kombinationspille liegt der Pearl-Index zwischen 0,1 und ungefähr 1. Das bedeutet, dass etwa 1 von 100 Frauen schwanger wird.
Der Pearl-Index ist mittlerweile das Standard-Maßsystem, um die Verlässlichkeit verschiedener Maßnahmen zur Geburtenkontrolle miteinander zu vergleichen. Er zeigt die Anzahl der sexuell aktiven Frauen, die innerhalb eines Zeitraumes von 12 Monaten schwanger wurden, obwohl sie eine bestimmte Verhütungsmethode angewandt haben. Beispielsweise liegt der Pearl-Index bei der Verhütung mit Kondomen zwischen 2 und 12 (was bedeutet, dass innerhalb von 12 Monaten von 100 Frauen zwischen 2 und 12 schwanger werden, wenn für die Verhütung ausschließlich Kondome verwendet werden). Mit der Kombinationspille wird etwa eine unter 100 Frauen über einen Zeitraum von 12 Monaten hinweg schwanger (in dieser Zahl ist die Möglichkeit enthalten, dass Frauen schwanger werden, weil sie die Einnahme der Pille vergessen oder versäumt haben).
Der Pearl-Index zeigt, dass die Kombinationspille bei vorschriftsmäßiger Einnahme eine der zuverlässigsten Methoden zur Geburtenkontrolle darstellt. Sie ist auch eine einfach zu beendende Methode, da eine Frau schnell wieder schwanger werden kann, wenn sie die Pille nicht mehr einnimmt. Bei nicht-reversiblen Methoden, wie beispielsweise der Sterilisation (der „Durchtrennung der Eileiter”), ist dies nicht der Fall.
Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass keine Verhütungsmaßnahme zu 100% effektiv ist und dass es im Fall der Pille wichtig ist, dass die Einnahme exakt nach den Anweisungen erfolgt. Auf der Packungsbeilage wird erklärt, was zu tun ist, wenn eine Einnahme vergessen wurde. Jegliche offenen Fragen sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.
Es ist auch wichtig zu wissen, dass einige Medikamente, wie Antibiotika oder das Gehirn beeinflussende Substanzen (wie Antidepressiva, Halluzinogene, Beruhigungsmittel oder angstlösende Medikamente) die Wirkung der Pille beeinträchtigen können. Durchfälle oder Erbrechen innerhalb von 3 bis 4 Stunden nach Einnahme der Pille können ihre Wirkung ebenfalls beeinträchtigen, da dies der Zeitraum ist, den der Körper für gewöhnlich braucht, um die Wirkstoffe der Pille vollständig aufzunehmen.
Der Beipackzettel in Ihrer Pillenpackung erklärt, was in solchen Fällen zu tun ist. Wenn Sie Fragen haben, besprechen Sie diese mit Ihrem Arzt. Bitte greifen Sie in der Zwischenzeit auf eine der Barrieremethoden zurück (beispielsweise Kondome), bis Sie den nächsten Pillenzyklus beginnen. Bitte bedenken Sie auch, dass die natürlichen Methoden der Familienplanung unzuverlässig sind.
Die Pille schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten
Seien Sie sich darüber bewusst, dass die Pille die Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit, wie HIV, oder mit einer Geschlechtskrankheit nicht verhindert. Wenn Sie also befürchten, dass bei Ihnen oder Ihrem Partner das Risiko einer sexuell übertragbaren Erkrankung besteht, verwenden Sie ein Kondom und fragen Sie Ihren Arzt um Rat.
Für wen ist die Pille geeignet?
Die Kombinationspille eignet sich für die meisten Frauen im gebärfähigen Alter - von den Teenager- bis zu den Wechseljahren. Bedenken Sie jedoch, dass keine Verhütungsmethode für alle Personen geeignet ist.
Welche Personen sollten die Kombinationspille nicht einnehmen?
Frauen, bei denen bestimmte Risikofaktoren oder Krankheiten vorliegen, sollten die Kombinationspille nicht verwenden. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Arzt alle aktuellen und früheren Änderungen Ihres Gesundheitszustandes mitteilen, ebenso wie alle in Ihrer Familie vorkommenden Krankheiten, größeren Operationen oder genetischen (erblichen) Neigungen zu bestimmten Krankheiten. Informieren Sie Ihren Arzt auch über alle Medikamente, die Sie einnehmen.
Zu den Risikofaktoren gehören z.B. Rauchen, Übergewicht, Erkrankungen der Blutgefäße, Bluthochdruck, Diabetes und Migräne. Sie erhöhen das Risiko von Nebenwirkungen.
Schwangere, stillende Mütter oder Frauen mit einer Östrogen-Unverträglichkeit sollte die Kombinationspille nicht einnehmen. Ihr Arzt kann Ihnen alternative Verhütungsmethoden aufzeigen.
Welche möglichen Nebenwirkungen gibt es?
Die meisten Kombinationspillen, die heute auf dem Markt sind, enthalten eine geringe Hormondosis und sind gut verträglich. Jedoch sind wie bei jedem Medikament Nebenwirkungen möglich. Besonders innerhalb der ersten 3 Monate der Einnahme klagen einige Frauen über Kopfschmerzen, Brustspannen, Übelkeit oder Schmierblutungen. Es gibt andere seltene, jedoch ernste Nebenwirkungen wie beispielsweise Thrombosen (Blutgerinnsel), die oft im Zusammenhang mit individuellen Risikofaktoren auftreten.
Es ist auch möglich, dass eine Periode ausbleibt. Wenn Sie die Kombinationspille nach Vorschrift eingenommen haben (und weder erbrochen haben noch an Durchfall litten), ist das Ausbleiben Ihrer Periode nicht notwendigerweise ein Zeichen für eine Schwangerschaft. Wenn Sie diesbezüglich im Zweifel sind, wenn zwei Perioden hintereinander ausbleiben oder wenn Anzeichen einer Schwangerschaft vorliegen, kann ein Schwangerschaftstest ratsam sein. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an Ihren Arzt.
Um mehr über mögliche Nebenwirkungen oder Risikofaktoren zu erfahren, lesen Sie den Beipackzettel in Ihrer Pillenpackung. Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen ebenfalls weitere Informationen geben. Rufen Sie Ihren Arzt an, wenn bei Ihnen Nebenwirkungen auftreten.


